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Aus den Analen der TTB

Bereits Mitte des neunzehnten Jahrhunderts waren Bestrebungen im Gange, eine Bahnlinie durch das Tösstal soll gebaut werden und zwar als Teil einer Bahnlinie von Waldshut nach Winterthur und weiter nach Graubünden.

Im September 1865 fand im "Bären" in Turbenthal eine Versammlung von circa 70 Teilnehmern, darunter hochrangige Würdenträger, statt. Schon damals lagen die Pläne einer durchgehenden Linie von Basel über Winterthur durchs Tösstal mit Anschluss an die Vereinigten Schweizerbahnen vor.

Nach vielen Konferenzen konnte am 22. Mai 1870 ein Komitee mit Vorsitz von Dr. J. J. Sulzer gebildet werden.

Im Jahre 1871 konnte die Aktienzeichnung in Gang gesetzt werden, was allerdings kein einfaches Unternehmen war, da praktisch alle Beteiligten Gemeinde ein Sonderzüglein fahren wollten. Auch Johannes Schoch aus Fischenthal beteiligte sich mit einer namhaften Summe, verlangte aber als Gegenleistung, dass der Zug an jedem Ort, an dem er aus zu steigen wünschte, anzuhalten hätte. Aus verständlichen Gründen konnte ihm dies nicht gewährt werden, sodass er sich das Recht herausnahm das Bahntrasse als Spazierweg zu benützen, «da ein wesentlicher Teil der Anlage ihm gehöre".

Die Zahlungen wurden allerdings nur schleppend erbracht, so fand die Gründungsversammlung der Tössthalbahn-Gesellschaft erst am 17. Dezember 1871 statt.

Der eigentliche Bahnbau begann erst im Juli 1873. Nur dank zahlreichen Gastarbeitern aus Italien war es eigentlich möglich den neuen Schienenstrang zu schaffen. Ursprünglich sollte die Bahn von Winterthur durchs Linsental fahren, diese Streckenführung wurde aber bald durch die Linie über Grütze - Seen ersetzt. Dem Bau der Strecke Winterthur - Bauma standen keine nennenswerten Schwierigkeiten entgegen, grössere hingegen standen dem Bau der Strecke Bauma -Wald in technischer (Maximale Steigung 25 bis 30%) wie auch in finanzieller Hinsicht im Wege.

Die Strecke Winterthur - Bauma wurde am 3. Mai 1875 pompös eingeweiht. Damals fuhren noch die Züglein mit zweistöckigen Wagen. Am 14. Oktober 1876 wurde nochmals im Tösstal gefeiert, dann wurde die erste Tössthalbahn-Lokomotive auf den Namen "Schang" getauft.

Doch schon im Mai 1878 kamen die ersten Sorgen auf das noch junge Unternehmen zu. Die Rechnungsprüfung Kommission fand diverse Verfehlungen im Finanzwesen, nicht visierte Belege, höhere Rechnung als offeriert oder dass sich diverse Herren "mit grosser Freiheit bewegten und mit einer seltenen Ungeniertheit die Gesellschaftskasse in allen möglichen Formen belasteten". Noch im gleichen Jahr beschädigte ein Hochwasser die Bahnanlagen enorm, der Bahnkörper war zwischen Bauma und Kollbrunn an dreizehn Stellen mit einer Gesamtlänge von über zwei Kilometern vollständig zerstört. Auch im Jahre 1877 brach wieder ein Unwetter die schon arg strapazierten Finanzen durcheinander, sodass in höchster Not der Präsident Dr. Sulzer und der in Mailand lebende Johannes Schoch sich zu einer persönlichen Bürgschaft entschlossen. Noch 1877 wurde entschlossen, vor allem aus finanziellen Gründen eine Fusion mit der Schweizerischen Nationalbahn einzugehen, ein Vorgehen, dass zum Glück infolge Liquidation der Nationalbahn vor dem Zustandekommen der Fusion keinen Erfolg hatte.

Mit Sparmassnahmen wie Reduktion des Personalbestandes, aufheben zahlreicher bewachten Bahnübergängen, die Einführung des sogenannten Sekundärbetriebes, will heissen Verkauf der schweren Lokomotiven Ed 3/3 und Kauf kleinerer, ausschliesslich für den leichten Personenverkehr gebauten Maschinen, deren Führung nur einen Mann erforderte. Die vollständige Trennung von Personen- und Güterverkehr rundete die getroffenen Massnahmen ab. Schon bald stellte sich ein leichter Erfolg ein, konnte doch schon, nach Jahren von beträchtlichen Rückschlägen, 1879 ein leichter Gewinn erwirtschaftet werden. Nunmehr folgte für die Bahn eine Zeit ruhiger und glücklicher Entwicklung, die in den Jahren 1888 bis 1894 die Auszahlung einer Dividende gestattete. Wie bei jedem grösseren Betrieb sind auch auf der Tössthalbahn unliebsame Störungen nicht ausgeblieben. Entgleisungen infolge Achs- oder Federbruch waren jährlich wiederkommende Ereignisse, auch verschütteten Murgänge und Hangrutsche regelmässig die Bahnkörper aber auch von Unfällen wurde die Tössthalbahn nicht verschont.  Der schlimmste war wohl auf die Fahrlässigkeit des Stationsvorstandes von Saland zurück zu führen. Am 29. März 1911 brachte der fakultative Güterzug um 8 Uhr abends leere Güterwagen. Diese sollten im Stumpen Geleise abgestellt werden, doch achtete in der Dunkelheit niemand, dass die Weiche falsch gestellt war. So standen die Wagen im Verbindungsgeleise als um 22Uhr der Personenzug von Winterthur nahte. Dieser stiess mit voller Wucht in den hintersten Güterwagen, der sich aufbäumend in den Vorderteil der Lokomotive hineinbohrte. Die Lok Nr. 11 entgleiste mit allen Achsen und kam in stark geneigter Lage an die Böschung zu liegen. Von den zwei Mann auf der Lok, den zwei Mann Zugpersonal und den fünf Passagieren kam niemand zu Schaden.

Ab 1. Oktober 1906 konnte die Tössthalbahn im Einvernehmen mit der SBB den Traktionsdienst auf der Strecke Rüti Wald übernehmen.

Anfangs des zwanzigsten Jahrhunderts zwangen dann etliche Widrigkeiten die Tössthalbahn in die Knie. Der Bau der Station Grüze durch die SBB stahl gewissermassen der Tössthalbahn die lukrativen Einkommen des Güterverkehrs nach Winterthur, die Üerikon – Bauma Bahn entzog der Tössthalbahn den gesamten Güterverkehr von Bauma nach Hinwil und Bubikon und als schliesslich auch noch die Bahn durch den Ricken gebaut wurde und deren Betrieb der TTB auch noch den lukrativen Güterverkehr zwischen den Textilzentren Wald und St. Gallen entzog, war das Schicksal der guten alten Tössthalbahn besiegelt.

Durch Bundesratsbeschluss vom 21. September 1918 wurde das Bundesgesetz betreffend freihändigen Ankauf der Tösstal- und der Wald-Rüti Bahn durch den Bund mit Rückwirkung auf den 1. Januar 1918 in Kraft gesetzt. Die Tössthalbahn Gesellschaft wurde aufgelöst und das Personal sowie der Wagenpark ging in die SBB über.

 

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